Emanzipation(en) als Generationenprojekt. Jüdische Familien- und Generationenromane als 'Arbeit am Fortschritt' zwischen 1871 und 1918

Abstract

„Das Gesetz kann uns gleiche Rechte geben, gewiss; gleichbestimmt kann es uns nicht machen. Das können nur die Menschen, wenn sie die Tierheit überwinden.“
– Auguste Hauschner in "Die Familie Lowositz" (1908) –

Emanzipation(en) als Generationenprojekt.

Jüdische Familien- und Generationenromane als 'Arbeit am Fortschritt' zwischen 1871 und 1918

Das Dissertationsprojekt untersucht jüdische Familien- und Generationenromane der deutschsprachigen Literatur als zentrale literarische Austragungsorte sozialer, kultureller und geschlechtsspezifischer Emanzipationsbestrebungen um 1900. Diese Romane reagieren nicht nur auf die rechtliche Gleichstellung der Juden im Deutschen Kaiserreich und die Transformation des Familienromans, sondern leisten zugleich eine Arbeit am Fortschrittsbegriff.

 

Mit den Mitteln des literarischen Realismus hinterfragen die Autor*innen sowohl statische Fortschrittsnarrative als auch das Konzept der Moderne, indem sie diese mit den Spannungen zwischen Assimilation, sozialem Aufstieg und den Grenzen rechtlicher wie gesellschaftlicher Emanzipation konfrontieren. Ein Fokus liegt dabei auf Bindungs- und Ablösungsdynamiken innerhalb familiärer und gesellschaftlicher Kontexte, und sich als Symptome und Reflektionen der Herausforderungen einer literarischen Moderne darstellen lassen.

 

Anhand eines Korpus von Werken unter anderem von Berthold Auerbach (Waldfried, 1874), Georg Hermann (Jettchen Gebert, 1906; Henriette Jacoby, 1908), Ulla Wolff-Frankfurter (Der Patriarch, 1903) und Auguste Hauschner (Die Familie Lowositz, 1908; Rudolf und Camilla, 1910) wird untersucht, inwiefern diese Romane familiale Strukturen als Medium gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse darstellen. Methodisch verortet sich das Dissertationsprojekt an der Schnittstelle von Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaft und greift neben gattungsgeschichtlichen Ansätzen insbesondere intersektionale und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf jüdische Literatur und Transnationalität auf.

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